„Wenn ich statt des ToGo-Bechers mit einem Thermobecher in meinem SUV unterwegs bin, fühle ich mich als Umweltheld.“ Die grüne Szene Deutschlands beschäftigt sich derzeit mit einem vermeintlichen Skandal. Es würden zu viele Pappbecher benutzt und weggeworfen. Ich möchte die Angelegenheit genauer betrachten.

Nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe (http://www.duh.de/becherheld_problem/) werden durch den Verbrauch von ToGo-Bechern jährlich 22.000 Tonnen Rohöl verschwendet und 82.000  Tonnen CO2 erzeugt.

Was unerwähnt bleibt: Diese Menge entspricht der CO2- und Rohölbilanz des Kraftstoffverbrauchs von gerade einmal 0,01 Prozent der deutschen PKW.

Der Kraftstoffverbrauch von nur einem Zehntel Promille unserer Autos generiert also genauso viel Dreck wie der angeblich so skandalöse Umgang mit Pappbechern!

Eine simple Veränderung des Fortbewegungsverhaltens der Bundesbürger hätte einen erheblich positiveren Einfluss auf unsere Umwelt, als alles, was wir in Bezug auf Pappbecher unternehmen könnten.

Zum Beispiel könnten wir statt SUVs Mittelklasse-PKW benutzen. Der Verbrauch eines Mittelklasse-PKW liegt bei ca. 70 Prozent des Verbrauchs eines SUV. Der Marktanteil von SUVs ist ca. 20 Prozent. CO2-Ersparnis: 0,20 * 0,30 = 6 Prozent, also 600-mal so viel wie durch die Vermeidung aller Pappbecher.

Außerdem wissen wir spätestens seit der TetraPac Diskussion, dass geölte Pappe in Müllverbrennungsanlagen positiv wirkt. Dass die Kohlenwasserstoffe noch eine Ehrenrunde als Pappbecher drehen, bevor sie uns als Nutzenergie in Form von Strom und Wärme zur Verfügung stehen, soll ein Skandal sein.

Es scheint, als ob wir mit dieser Nebelkerze von den eigentlichen Problemen abgelenkt und in unserem Streben nach einer Dekarbonisierung der Energienutzung blockiert werden sollen. Ein eher triviales Thema wird zu einer modernen Form des Ablasshandels aufgeblasen, der so lauten könnte:

„Wenn ich statt des ToGo-Bechers mit einem Thermobecher in meinem SUV unterwegs bin, fühle ich mich als Umweltheld“.

Es wird uns vorgegaukelt, dass diese winzige Veränderung im Konsumverhalten große positive Auswirkungen auf unsere Umwelt hat. Dabei ist in diesem Fall vermutlich sogar das Gegenteil der Fall. Die Produktion der neuen, designten Ich-bin-so-umweltbewusst-Becher, die aktuell an jedem Fast Food-Restaurant, an jeder Tankstelle, Bäckerei oder an jedem Café angeboten werden, hat vermutlich so viel CO2 generiert, wie fünf Jahre Pappbecherproduktion. Diese Thermobecher können nicht verbrannt werden, aber sie haben die Wirtschaft angetrieben. Applaus!

Fazit: Wir brauchen weder „Coffee to go“, noch übermotorisierte Blechkarossen, da beide dem Nutzer zwar Geschwindigkeitsvorteile bringen, allen anderen aber Schaden zufügen.

Adé Konsumtrottel, willkommen in der wirklichen Welt!

Wer Lust hat, kann nun noch mit mir hier einen etwas philosophischen Blick auf das Thema wagen, wobei mir klar ist, dass ich dies nur streifen kann.

Foto: Pixabay (CC0 Public Domain)