Auf einer Veranstaltung zum TTIP Abkommen durfte ich einige Worte zum Thema Fracking sagen. Folgendes fasst den Redebeitrag zusammen:

Mein 10-jähriger Sohn fragte mich unlängst: „Warum nutzen wir nicht einfach die Energie aus Pflanzen, die nachwachsen?“ Die Antwort ist, dass wir ein Vielfaches von dem verbrauchen, was organisch nachwächst. Wir verbrauchen an einem Tag so viel Energie, wie die Erde in etwa 1.000.000 Tagen, also in über 2.700 Jahren, an fossilen Brennstoffen erzeugt hat. Das ist unnötig, unzeitgemäß und absurd.

Denn mehr noch als Nahrung findet man Energie dezentral auf unserem Planeten. Diese dezentrale Energie wurde aber bis jetzt kaum genutzt. Stattdessen wurde ein gigantisches System entwickelt, von dem nur Großkonzerne profitieren, während  wir alle die Folgeschäden tragen müssen. Insbesondere Strom wird in diesem System zentral erzeugt, aber auch die Energieträger für Wärme und Fahrzeugverkehr, inbesondere das Erdöl, stammen aus zentralen Quellen. Es bestehen längst die technischen Möglichkeiten zum dezentralen Einsammeln der Energie. Deren Nutzung ist in den meisten Fällen selbst ohne Einberechnen der Folgeschäden der konventionellen Energieträger günstiger als im alten System. Wir verstehen daher gut, dass die Nutznießer des alten Systems alle Register ziehen, um festzuhalten, z. B. über das Verbreiten von Ängsten oder über Lobbypolitik.

Bislang ernteten wir fossile Energieträger, die uns Mutter Erde relativ kampflos überlies. Unsere Abhängigkeit ist mittlerweile aber so groß, dass wir unserem Planeten mit immer drastischeren Methoden auf den Leib rücken. Nur noch Großkonzerne sind anonym und skrupellos genug so etwas durchzuführen. Selbst Katastrophen wie „Deepwater Horizon“ 2010 ändern daran nichts.

Eine dieser drastischen Methoden ist Fracking. Überwiegend amerikanische Konzerne konnten bisher ausreichend Expertise entwickeln, um mit einem gigantischen technischen Aufwand in tiefen Gesteinsschichten an dort verborgenes sogenanntes Tight Gas zu gelangen. Dabei werden Unmengen an Wasser verbraucht und diverse Chemikalien ins Erdreich gepresst, die wiederum das Grundwasser verseuchen können. Der Film „Gasland“ des Filmemachers Josh Fox aus dem Jahr 2010 beschäftigt sich mit dem Thema. Haben die „Amerikaner“ eine geringere Bindung an unseren Planeten, dass sie Fracking tolerieren? Vielleicht. Auf jeden Fall sind es die politischen und wirtschaftlichen Machtstrukturen, die so etwas ermöglichen.

Durch das TTIP Abkommen soll aber genau diese Strukturen auch in Europa ermöglicht werden. Ortsfremde skrupellose Großkonzerne sollen unsere Erde auch hier durchlöchern dürfen. Wir wissen längst, wer die Zeche nicht zahlen muss, wenn dabei etwas schief geht. Ein Blick in die USA zeigt uns auch wohin das führt, nämlich genau zu dem was wir nicht wollen: Preisstabiliät der fossilen Energieträger und damit Verlängerung des absurden Status Quo. Gewinne erneut zentralisiert, Folgekosten und -schäden wieder einmal sozialisiert.

Ich meine: Es sollen Techniken verwendet werden, die jeder einzelne mit gutem Gewissen zu Hause einsetzen würde. Statt jetzt nur gegen das Fracking zu wettern ist es mir ein größeres Anliegen, konstruktiv die Möglichkeiten zu nennen, wie sich jeder selbst, sein Quartier oder seine Gemeinde energetisch gesehen unabhängiger machen kann.

Wenn ich gegen TTIP bin, bin ich nicht gegen irgendetwas. Nein, ich bin für etwas. Ich bin dafür, dass die Vernunft in das menschliche Handeln wieder Einzug erhält. Ich bin dafür, dass jeder sich selbst dafür verantwortlich fühlen kann, was er konsumiert, auch im Rahmen der Energieversorgung.

Wenn ich gegen Fracking bin, bin ich genauso wenig gegen die vermeintliche Unabhängigkeit von russischem Gas, sondern ich bin dafür, dass jeder einzelne wissen kann, was sein Beitrag zum Thema Energie ist und dass jeder einzelne in die Lage kommt, sich zu einem möglichst großen Anteil selbst mit Energie zu versorgen. Das steigert das Maß an Unabhängigkeit viel mehr, denn auch die Abhängigkeit von Konzernen fällt weg und endlich werden nicht nur die Schäden sozialisiert, sondern auch die Gewinne.

Ich sehe Fracking nur als einen menschenunwürdigen Versuch, das Ende der fossilen, unlogischen, ineffizienten, skrupellosen und zentralistischen Energiewirtschaft hinauszuzögern. Da dieser Versuch uns teuer zu stehen kommen würde, ist er kategorisch abzulehnen.

Die Energiewende bietet eine phantastische Chance einen Wechsel herbeizuführen. Die dezentrale Natur der regenerativen Energien steht in nicht zu vereinbarender Konkurrenz zur zentralen Struktur des alten Systems mit seinen Großkonzernen.

Lasst uns die Verantwortung für unsere Energieversorgung denen geben, die sie tragen sollen: Uns allen!

Erst nach dem Redebeitrag poppte das Thema der Verstaatlichung der Verschrottungskosten der Atommeiler auf, was die Brisanz meiner Worte anschaulich untermauert. Zusammengefasst wird das knapp und kurzweilig in dieser Sendung des Politikmagazins Quer vom Bayerischen Rundfunk.

 

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