Aus dem Leben eines Messstellenbetreibers (Teil 1)

„Stromzähler betreiben? Klar, das mach ich nebenbei mit!“

Oh, was habe ich im vergangenen Jahr alles lernen dürfen, nach meinem lockeren Ausspruch.

Zum Glück war es „learning by doing“. Als klassische Erwachsenenbildungsmaßnahme nämlich wäre die Motivation nicht so hoch gewesen und es hätte nur halb so viel Spaß gemacht.

Erstens, man kann Stromzähler in drei Generationen einteilen: die mechanischen mit der Drehscheibe, die elektronischen ohne bewegliche Teile, und die smarten, die es nach dem Buchstaben des Gesetzes noch gar nicht gibt, weil man sich immer noch nicht darauf geeinigt hat, wie ausgeklügelt deren Daten verschlüsselt werden müssen, bevor man sie auf die Reise schickt. Vermutlich hat die NSA da auch noch ein Wörtchen mitzureden – das kann dauern.

Spannend ist auch das Thema Eichrecht. Ein Drehscheibenzähler ist für 16 Jahre geeicht, in Ausnahmefällen sogar länger. Wer jetzt glaubt, dass die modernen, ohne mechanische Teile verschleißfrei messenden elektronischen Zähler da besser gestellt sind, der irrt: Schon nach acht Jahren müssen diese Typen nachgeeicht werden. Welch Triumph des Fortschritts!

Jetzt weiß ich, warum HiFi-Freaks von Plattenspielern und Röhrenverstärkern so schwärmen. Alte Technik ist einfach besser oder zumindest langlebiger. Sojus war ja auch robuster als Apollo. Oder glaubst Du, dass ein iPod nach 8 Jahren noch funktionierende Akkus hat und mit dem dann vorherrschenden Musik-Datenformat noch irgendetwas anfangen kann?

Dass ich als Dipl.-Ing. der Elektrotechnik oder Freund und Kollege Thomas als Dr. der Physik überqualifiziert sind, um Stromzähler ein- oder ausbauen, war uns schon vorher klar. Man muss Elektriker und beim jeweiligen Netzbetreiber mit Ausweisnummer zugelassen sein. Immerhin reicht mittlerweile die Zulassung bei einem Netzbetreiber, um in allen anderen der ca. 800 Netzgebiete in Deutschland tätig zu werden. Das war nicht immer so: Früher durften Elektriker nicht in fremden Netzgebieten „wildern“, da hatte alles noch seine schöne Ordnung.

Als überraschend einfach stellte sich die Sache mit der Plombenzange heraus. Die können auch Minderjährige ohne jeden Nachweis inklusive Wunscheinprägung im Internet kaufen. Ich entscheid mich für das Starterkit „Bleifrei“ mit Plomben aus Kunststoff statt dem giftigen Schwermetall. Passend zum ökologisch korrekten Strom, der durch die Stromzähler fließt.

Fortsetzung folgt.

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