Wider die 100 %-Erneuerbaren-Rhetorik

Nach öffentlichen Statistiken müssen in Deutschland derzeit jährlich rund 2.500 Terawattstunden an Endenergie bereitgestellt werden. Von diesen entfallen etwa die Hälfte auf Wärme, 30 % auf Kraftstoffe und 20 % auf Strom.

Die deutsche Energiewende wurde im Jahr 2000 durch das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) ins Rollen gebracht. 13 Jahre später leisten die Erneuerbaren heute einen Beitrag von nur etwa 13 Prozent zur Endenergie.

Was ist vor diesem Hintergrund von der Rhetorik von „100 % Erneuerbaren“ zu halten, die mittlerweile auf allen Kanälen auf uns einprasselt?

Wer die Zahlen oben kennt, kann die 100 %-Rhetorik leicht als Utopie abtun. Wenn 13 Jahre EEG nur 13 Prozent Erneuerbare zu Wege gebracht haben, müsste es bei Fortschreibung der bisherigen Dynamik noch 87 Jahre dauern, bis das Ziel erreicht ist.

Wer sie nicht kennt, wechselt mal eben zu „Ökostrom“ und legt sich wieder hin, da die Vision ja anscheinend schon greifbar nahe ist.

In beiden Fällen verhindert die 100%-Rhetorik, dass im Sinne einer echten Energiewende gehandelt und weiter gedacht wird, zum Beispiel über wichtige zusätzliche Dimensionen dieser Wende: Artenschutz, Demokratisierung, Dezentralität, Effizienz, Einsparung.

Vor allem aber ebnet die 100 %-Rhetorik der Energieindustrie den Weg, die jetzt unter dem grünen Deckmäntelchen der Erneuerbarkeit sowie dem Hinweis auf das „Mengenproblem“ erneut zentralistische und renditegetrieben Massenlösungen durchzusetzen versucht. Und zwar top down mit Hilfe von Regierungen und Großfinanz. Dass auch diese vermeintlich grünen Großprojekte im neuen, dezentralen Energiezeitalter nicht bestehen werden, ist vorprogrammiert. In der Zwischenzeit haben sie jedoch ein enormes Zerstörungspotenzial. Man denke hierbei an Pumpspeicherwerke, für die Naturlandschaften geopfert werden sollen, „Bioenergie“, die mit Substraten aus Massentierhaltung oder pflanzlichen Monokulturen erzeugt wird, oder den Bau von „Stromautobahnen“ zum Transport von Offshore-Windkraft, die den Lebensraum von Menschen, Tieren und Pflanzen auf Tausenden von Kilometern zerschneidet.

So verlockend einfach 100 % Erneuerbare als Vision sind, so ungeeignet sind sie als Leitfaden auf dem Weg heraus aus der radikalen Abhängigkeit von der Energieindustrie.

 

Beitragsbild: TheRadialActive
Lizenz: Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication

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