Die Halbwertszeit von erneuerbarem Strom

Du glaubst, das Thema Halbwertszeit hat nur etwas mit Kernenergie zu tun? Weit gefehlt!

Natürlich sind bei meiner Betrachtung nicht die Zerfallsraten radioaktiver Abfälle gemeint sondern die Zeit, in der Produkte wie Wind- und Solarstrom auf dem Strommarkt nur noch die Hälfe wert sind.

Jetzt magst Du einwenden, der Preis von erneuerbaren Energien werde doch vom Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG) bestimmt und nicht von der Strombörse in Leipzig. Das trifft zwar für die garantierte Vergütung jeder ins Netz eingespeisten Kilowattstunde zu, sagt aber nichts über den Marktwert dieses Stroms als solchem aus. Und genau dieser Marktwert wird, abhängig von der Erzeugungstechnologie, in Leipzig ermittelt.

Den Marktwert muss man kennen, wenn man z. B. die EEG-Förderkosten ausrechnen will, die grob gesagt die Differenz aus garantierter Einspeisevergütung minus Marktwert des jeweiligen Stroms sind und daher auch gern als Differenzkosten bezeichnet werden.

Oder bei der Direktvermarktung von EEG-Strom. Mit etwas Glück vergütet einen dort der Stromhändler etwas über dem Marktwert, während der Netzbetreiber die Differenzkosten erstattet.

Schließlich ist der Marktwert der Erneuerbaren von Interesse beim Ablauf der EEG-Förderung nach 20 Jahren, wenn man als Anlagenbetreiber nur noch mit dem Marktwert rechnen kann, falls man überhaupt einen Abnehmer für seinen Strom findet. Denn auch die Abnahmepflicht durch den lokalen Netzbetreiber endet nach 20 Jahren.

Wie groß ist denn nun der Preisverfall? Er liegt bei Wind- und Sonnenstrom derzeit bei ca. 50% in zwei Jahren, wie die obenstehende Grafik zeigt, und damit im Bereich von Cäsium-134, das ebenfalls eine zweijährige Halbwertszeit hat.

Auch die nicht-erneuerbaren Energien durchlaufen an der Börse ähnliche Preisverfallskurven. So ist der Preis für „Baseload“, also Grundlaststrom, in zwei Jahren um ca. 40% gesunken, nicht zuletzt durch das stark gestiegene Angebot erneuerbaren Stroms im Netz, das sich im Übrigen auch senkend auf den eigenen Marktwert auswirkt.

Wenn wir schon dabei sind, Unvergleichbares miteinander zu vergleichen: Gemäß Wikipedia beträgt die Halbwertszeit von Hyperlinks im Internet etwa 51 Monate, wobei schon nach einem Jahr etwa 15% aller Hyperlinks nicht mehr gültig sind. Wenn Du diesen Blogbeitrag weiterempfehlen willst, tue dies also bitte jetzt gleich!

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